3-2-1? Intervallfasten: ja oder nein?

Der Trend dieses Jahres ist das Intervallfasten – auch intermittierendes Fasten oder 16:8 genannt – wenn’s ums Abnehmen geht. Was ist das? Und für wen ist das was – oder auch nichts? Herrn Hirschhausen hat es gutgetan, lässt er von der MOPO berichten. Doch gestern sagte mir jemand, dass das so gar nichts für ihn sei. Und nun?

Sicher ist eines: Zu Jahresbeginn müssen die Medien natürlich irgendeine neue Methode zum Abnehmen bringen. Warum? Weil zunehmend mehr Menschen, Leser, Fernseh-Zuschauer unzufrieden mit dem eigenen Gewicht sind – und so ein riesiges Interesse an der Ess-Methode besteht, die jetzt (!) endlich (!) mal (!) wirklich (!) hilft! Die Unzufriedenheit ist ja häufig wirklich groß – und der Wunsch nach einer Lösung ebenso! Dieses Jahr ist’s also das Intervallfasten…

Die Grundidee von Intervallfasten oder 16:8 ist es, dass über einen längeren Zeitraum – nämlich 16 Stunden – nichts gegessen wird. Es wird also gefastet. In den verbleibenden sechzehn Stunden eines Tages wird dann gegessen. Das ist das sympathische gegenüber dem traditionellen Fasten, wenn das Essen für mehrere Wochen gänzlich eingestellt wird.

Es ist verständlich, dass das Intervallfasten dennoch nicht für jeden etwas ist, weil einige es einfach nicht gut ertragen, nichts zu essen. Oder vielleicht ist es auch nur das Verbot des Essens während dieser sechzehn Stunden, die ihnen auf den Magen schlägt. Nicht jeder mag Verbote…

Klar ist, dass wir Menschen uns an alles gewöhnen können und daher auch Gewohnheiten ändern können. Vor allem Liebe oder Angst sind starke Treiber in der Verhaltensveränderung (so las ich es mal in einem der Bücher des Neurobiologen Prof. Gerald Hüther). Eine Mahlzeit am Tag – das Frühstück oder das Abendessen – wegzulassen, um so auf 16 Stunden Nahrungskarenz zu kommen, ist schon vorstellbar als eine neue Gewohnheit. Ich kenne Menschen, die machen das aus morgendlicher Zeitnot immer. Und andere machen es, weil sie sich dann einfach besser fühlen.
Doch es ist Fakt, dass sich auch andere Gewohnheiten nutzen lassen, um die ungewollten Pfunde zum Schmelzen zu bringen. Wichtig ist nur, dass es sich um „echte“ Gewohnheiten handelt. Also um Rituale, die jeden Tag, immer wieder, bei Regen oder Sonne, guter oder schlechter Laune, Essen gehen oder zu Hause kochen, von dir gelebt und als normal empfunden werden. Es geht nicht um die Strohfeuer, die kurzfristige Diäten. Nur echte Gewohnheiten schaffen es, dich auf Dauer dem eigenen Ziel näher zu bringen.

Für das Abnehmen sind natürlich auch die Kalorien wichtig – aber sicher nicht nur. Daher vergesst das Zählen! Beim Intervallfasten besteht natürlich die Chance, dass innerhalb der acht Ess-Stunden weniger Kalorien in deinem Körper landen, als du verbrauchst. Doch nicht jeder nutzt die Chance und kommt dann auf zu viele Kalorien. Dann klappt’s nicht mit dem Abnehmen.

Menschen sechs 134154095 XL © MichaelJBerlinUnd neben dem Zuviel an Kalorien gibt’s auch noch die falschen Kalorien. Wer dem Link oben zum Kalorien-Blogbeitrag gefolgt ist, weiß es schon: Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette liefern zwar alle Kalorien, doch sie haben auch alle eine unterschiedliche Wirkung! Wer verrät, was ihr braucht, ist euer Stoffwechsel. Jeder der sechs Personen auf dem Bild hat einen anderen Stoffwechsel und braucht andere Lebensmittel. Was genau? Dem kommen wir mit den Blutwerten und der Körperzusammensetzung auf die Schliche. Wer einen größeren Bauchumfang und/oder erhöhte Leberwerte und/oder erhöhte Cholesterinwerte und/oder erhöhte Glukosewerte hat, bei dem macht mit großer Wahrscheinlichkeit schon der Stoffwechsel einen Strich durch die Abnehm-Wunsch-Rechnung. Erst recht, wenn innerhalb der acht Ess-Stunden (zu) viele Kohlenhydrate gegessen werden. 

Das Grundprinzip des Intervallfastens ist es, deinem Körper für 16 Stunden eine Ruhepause vom Essen zu geben und so auch die Insulinmenge im Blut runterzufahren. Insulin fördert den Fettaufbau und hemmt gleichzeitig den Fettabbau. Echt doof! Wenn du dann in der Essphase das Insulin aufgrund von vielen Kohlenhydraten wieder in großen Mengen durch die Adern laufen lässt, ist leider nicht auf großen Erfolg zu hoffen. Mit anderen Worten: Iss auch in den acht Stunden gut, wertvoll, sinnvoll.

Schade, dass auch diese eine Methode nicht die Lösung für alle ist. Leider! Es wäre so schön (einfach). Wenn es dir anders als dem glücklichen Herrn Hirschhausen geht, gilt es, weiter die für dich passende Ess-Methode zu finden.


 

Samstag, 12 Januar 2019 13:03